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26.2.2010
Die deutschen und österreichischen Unternehmen zählen weltweit zu den innovativsten. Deshalb werden beide Länder auch gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorgehen. Diese positive Einschätzung gab der deutsche Arbeitgeberverbandspräsident Prof. Dr. Dieter Hundt bei einer Diskussionsveranstaltung in der Raiffeisenlandesbank OÖ ab.
Vor mehr als 420 Gästen diskutierte Hundt anlässlich der feierlichen Eröffnung der Landesdelegation Oberösterreich der Deutschen Handelskammer in Österreich mit Hartmut Krausser, Gesandter der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Österreich, Dr. Ralph Scheide, Botschafter der Republik Österreich in Deutschland, und Dr. Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ und Vorsitzender der Landesdelegation Oberösterreich der Deutschen Handelskammer in Österreich, über Chancen und Herausforderungen. Übereinstimmung herrschte am Podium, dass es sowohl in Deutschland als auch in Österreich noch viel zu tun gäbe, um gestärkt aus der Krise zu kommen.
Enge wirtschaftliche Verflechtungen
Hundt skizzierte in seinem Festvortrag die engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Österreich. Deutschland ist für Österreich der wichtigste Wirtschaftspartner und das Exportland Nummer eins. 2009 machten die österreichischen Exporte nach Deutschland knapp 30 Milliarden Euro aus. Insgesamt gehen mehr als 30 Prozent aller österreichischen Ausfuhren nach Deutschland.
Umgekehrt ist Österreich das siebentwichtigste Abnehmerland für deutsche Produkte und Dienstleistungen. Die deutschen Exporte nach Österreich betrugen 2009 48,5 Milliarden Euro. Sie übertreffen damit laut Hundt beispielsweise sogar die deutschen Ausfuhren nach China. Die Wirtschaftskrise hat jedoch in beiden Ländern Spuren hinterlassen. So ging die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Jahr 2009 um 5 Prozent zurück, in Österreich betrug der Rückgang 3,4 Prozent.
Export als Wohlstandsgrundlage
In diesem Umfeld müssten beide Länder weiterhin auf Export setzen, betonte der Arbeitgeberpräsident. Denn dieser sei die Grundlage des Wohlstandes. Das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolges beider Länder sind seiner Ansicht nach höchst innovative mittelständische Unternehmen sowie leistungsfähige Großkonzerne, die auf den Weltmärkten erfolgreich sind. Hundt zeigte sich überzeugt, dass Deutschland und Österreich eine glänzende Zukunft als Industriestandorte haben werden und bezeichnete die Automobilindustrie, die Zulieferindustrie, die Maschinenbauindustrie und die Chemieindustrie als „Leuchttürme der wirtschaftlichen Entwicklung“. Überhaupt sei die Industrie schlichtweg der Export- und Innovationsmotor, ihre Weltmarktorientierung habe Arbeitsplätze und Wohlstand geschaffen. „Es ist aber Eile geboten, die Exportchancen in den aufstrebenden Schwellenländern Brasilien, China, Russland und Indien zu nutzen“, so Hundt.
Nach Rückgang Weichen für Wachstum stellen
Für Hundt sind angesichts eines Rückgangs der deutschen Industrieproduktion um 18 Prozent im vergangenen Jahr „alle Weichen auf Wachstum zu stellen“. Seine Forderungen an die Politik: Senkung der Sozialbeiträge, große Reformen der Sozialsysteme als Antwort auf den demographischen Wandel, wie beispielsweise eine neue Regelung der Krankenversicherung. Besorgt zeigte sich Hundt beim Thema Pensionen: „Die große Koalition hat die gesetzliche Rente mit 67 Jahren festgelegt. Das war ein sehr mutiger, zukunftsweisender Schritt. Aber momentan gibt es bedauerlicher Weise quer durch alle Parteien Tendenzen, das wieder aufzuweichen.“ Bewährt habe sich die Tarifpolitik. „Die Sozialpartner haben sich vorbildlich verhalten. Alle Tarifabschlüsse des Jahres 2009 waren moderat und den Krisenbedingungen angemessen. Dadurch ist die Zahl der Arbeitslosen viel weniger stark angestiegen, als dies zu erwarten gewesen wäre.“
Zurück zu alter Stärke
Hundt zeigte sich zuversichtlich, dass Deutschland zu alter Stärke zurückfinden wird: „Wenn es keine weiteren Hagelschläge gibt, erwarten wir für Deutschland ein deutliches Wachstum. Auch wenn es noch eine Zeit dauern wird: Wir werden die industrielle Erfolgsstory weiterschreiben.“ Die deutsche Wirtschaft arbeite stark daran, Reformen einzuleiten, um nach der Krise neu durchstarten zu können. „Auch die Politik ist gefordert, Reformen durchzuführen. Ich habe jedoch Sorge, dass aus der Krise keine richtigen Maßnahmen abgeleitet werden, um eine Wiederholung der Krise zu verhindern.“
Eröffnung der Landesdelegation
Gerade in schwierigeren Zeiten sind für Hundt Innovationen und Kooperationen entscheidend. Besonders positiv beurteilte er daher die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Handelskammer in Österreich und der Raiffeisenlandesbank OÖ: „Für die Deutsche Handelskammer in Österreich ist heute ein Freudentag. Für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich brauchen wir in den Bundesländern in Österreich starke Partner. Mit der Raiffeisenlandesbank OÖ konnten wir keinen besseren Partner finden.“
Dr. Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ, verwies auf die guten und engen Wirtschaftsbeziehungen: „Es ist eine hohe Auszeichnung für uns, dass wir hier heute die neue Landesdelegation der Deutschen Handelskammer in Österreich in der Raiffeisenlandesbank OÖ eröffnen dürfen. Gerade in schwierigeren Zeiten müssen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Deutschland ausgebaut werden, weil beide Länder in hohem Maße vom Export abhängig sind.
Es gibt noch viel zu tun
Scharinger betonte, dass es bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise noch viel zu tun gäbe und in Zukunft auf Veränderungen schneller reagiert werden müsse. Bei der Einführung der Kurzarbeit habe Deutschland dynamischer als Österreich reagiert. Umgekehrt habe Österreich ein einfacheres Steuersystem. Scharinger: „Je einfacher die Steuern, desto eher werden sie auch bezahlt und sorgen sie auch für Einnahmen der Öffentlichen Hand.“ Künftig müssen vor allem Verfahren zur Genehmigung von Investitionen beschleunigt werden. „Das bringt Arbeit und schnellere Einnahmen für die Öffentliche Hand.“
Deutsche Studenten in Österreich
Dr. Ralph Scheide, Botschafter der Republik Österreich in Deutschland, bezeichnete Österreich und Deutschland als zwei starke Partner in der EU, die gemeinsame Ziele verfolgen. Er schnitt auch die Thematik der deutschen Studenten in Österreich an. „Im Bereich der Medizin gibt es Probleme, denn 40 Prozent der Anmeldungen für das nächste Semester kommen aus Deutschland. Hier muss man eine Lösung finden, denn es muss die medizinische Versorgung in Österreich gesichert werden.“
Hartmut Krausser, Gesandter der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Österreich, meinte im Hinblick auf die vielen deutschen Studenten in Österreich: „In Österreich gibt es 17.000 deutsche Studenten, 7.000 Österreicher studieren aber in Deutschland. Im Verhältnis studieren also sogar mehr Österreicher in Deutschland.“
Goldenes Ehrenzeichen des Landes OÖ für Prof. Dr. Hundt
Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurde Arbeitgeberverbandspräsident Dieter Hundt von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich in Anerkennung seiner Verdienste um grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die wirtschaftliche Entwicklung Oberösterreichs ausgezeichnet. Der Landeshauptmann bezeichnete Hundt als exzellenten Unternehmer und großen Vertreter der Sozialpartner in Deutschland, der die Beziehungen zu Österreich und zu Oberösterreich pflegt. Pühringer: „Wir haben ihn als Mann des Dialogs und der Zusammenarbeit über Grenzen hinweg kennengelernt. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, die Beziehungen Süddeutschlands zu Oberösterreich, im Besonderen zur oberösterreichischen Wirtschaft, zu intensivieren. Das bringt für unser Land unschätzbare Vorteile. Denn in Oberösterreich hängen 55.000 Arbeitsplätze allein vom Export nach Bayern ab. Umgekehrt hängen in Bayern 195.000 Arbeitsplätze vom Export nach Österreich ab. Hier sieht man, wie wichtig es ist, über Grenzen hinweg gut zusammenarbeiten.“
Unterlagen zum Pressefoyer (pdf, 620 kB)
Fotos
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Dieter Hundt, Präsident des Deutschen Arbeitgeberverbands
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Deutscher Arbeitgeberverbandspräsident Dieter Hundt, Generaldirektor Dr. Ludwig Scharinger
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Landeshaptmann Dr. Josef Pühringer, Cristina Hundt, Dieter Hundt, Dr. Ludwig Scharinger, Hartmut Krausser und Dr. Ralph Scheide
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Hartmut Krausser, Dieter Hundt, Dr. Ludwig Scharinger, Dr. Ralph Scheide
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Dr. Ludwig Scharinger, Dr. Josef Pühringer, Dieter Hundt, Jakob Auer
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Dr. Ludwig Scharinger, Dieter Hundt, Thomas Dindele
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Podiumsdiskussion mit Dr. Helmut Brandstätter, Dr. Ludwig Scharinger, Dieter Hundt, Hartmut Krausser und Dr. Ralph Scheide
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