„Transparenz ist das einzige Mittel gegen Korruption“ zurück
Fachtagung „Sicherheit in Städten“ zum Thema „Korruption – Transparenz“
25.11.2011
„Die Gier führt zu Korruption. Das einzige Mittel dagegen ist Transparenz“, ist Dkfm. Mag. (theol.) Gregor Ulrich Henckel-Donnersmarck, Altabt der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz, überzeugt. Über Ethik und Moral sowie mögliche Wege und Mittel zur Bekämpfung der Korruption diskutierten mit ihm bei der Tagung des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“ in der Raiffeisenlandesbank OÖ: Mag. Martin Kreutner, MSc, Vorsitzender der Internationalen Antikorruptionsakademie und Antikorruptionsexperte des Europarats, Dr. Klaus Nemetz, Meinungsforscher und Konsulent der Spectra Marktforschungs GmbH, „Profil“-Wirtschaftsressortleiter Michael Nikbakhsh, Dr. Gottfried Strasser, Generalprokurator i.R. und Rechtsschutz-Beauftragter der Justiz, sowie Rechtsanwalt Dr. Gerhard Wildmoser, Vizepräsident des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“.
Henckel-Donnersmarck: UNO-Behörde zur Korruptionsbekämpfung notwendig
„Korruption ist kein österreichisches, sondern ein weltweites Problem, das insbesondere auch die Entwicklungsländer haben“, unterstrich der Altabt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz in seinem Impulsstatement. Doch gerade durch diese Internationalität der Korruption sei eine Verfolgung und Ahndung schwierig. „Um wieder ein Gleichgewicht zu finden, brauchen wir eine UNO-Behörde zur Korruptionsbekämpfung, die weltweit agiert.“
Als hilfreiche Mittel bei der Korruptionsbekämpfung sieht er die Prinzipien der christlichen Soziallehre – das Personalitäts-, das Solidaritäts- und das Subsidiaritätsprinzip.
Scharinger: Bisher zu große Spielräume
Für mehr Sicherheit und Transparenz im Geschäftsleben, im Umgang mit Behören sowie im Umgang mit der Legislative und Exekutive sprach sich Raiffeisenlandesbank OÖ-Generaldirektor und Präsident des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“ Ludwig Scharinger aus. Auch extreme Pendelschläge müssen vermieden werden: „Wenn der Vorverurteilung und der Unschuldsvermutung nicht die sofortige Verurteilung folgt, heißt es, dass das Rechtssystem nicht in Ordnung ist.“
Wildmoser: Mehr Anstand durch gesellschaftliche Ächtung
„Die einzige Methode, dass sich die Menschen so weit als möglich anständig verhalten, ist gesellschaftliche Ächtung“, betonte Rechtsanwalt Gerhard Wildmoser, der auch Vizepräsident des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“ ist. Er halte nichts von „ununterbrochenen Gesetzesänderungen“, denn Korruption sei einzig und alleine eine Frage von Anstand, Ethik und Moral sowie der Offenlegung.
Stimmen der Diskutanten:
Fehlende Moral, ethische Diskussion und schnellere Urteile
Für den Generalsekretär des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“ ist Korruption eine Frage der Ethik: „Wir haben es mit einem Wertewandel zu tun, vielfach ist die Integrität abhanden gekommen“, so Stephan Komar. Die „fehlende Moral“ und die zu „unübersichtliche Gesetzeslage“ kritisierte auch Dr. Gottfried Strasser, Generalprokurator i.R. und Rechtsschutz-Beauftragter der Justiz. Zudem „muss sich die Justiz jetzt zusammennehmen, damit ihr Image wieder besser wird“.
Schnellere Verfahren und Urteile von der Justiz forderte „Profil“-Wirtschaftsjournalist Michael Nikbakhsh. „Wir spielen das Spiel des Kapitalismus, deren einziges Ziel es ist, am Ende mehr zu haben.“ Um in Zukunft Korruptionsfälle zu vermeiden, müsste seiner Meinung nach schon in der Schule angesetzt und Jugendliche für das Thema Korruption sensibilisiert werden.
Spectra-Konsulent Klaus Nemetz verwies auf ein grundsätzlich vorhandenes egoistisches und materialistisches Handeln der Menschen: „Der Markt erlaubt amoralisches Agieren, das deshalb Platz in der Gesellschaft findet.“ Laut seinen Untersuchungen sei beispielsweise für ein Viertel der Bevölkerung Steuer- oder Versicherungsbetrug in Ordnung.
Dass es eine ethische Diskussion des Themas Korruption braucht, davon ist auch Mag. Martin Kreutner, MSc, Vorsitzender der Internationalen Antikorruptionsakademie und Antikorruptionsexperte des Europarats, ist überzeugt. Für ihn stellt „jede Ausnützung einer Machtposition“ Korruption dar.
Über das Kuratorium „Sicherheit in Städten“
Um Sicherheitsfragen in der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben, wurde vor 18 Jahren das Kuratorium für „Sicherheit in Städten“ gegründet. Ziel und damit Vereinszweck ist es, zur Erhaltung und Verbesserung der öffentlichen Sicherheitslage, insbesondere in Städten, beizutragen. Bereits in der Vergangenheit hat das Kuratorium wichtige Impulse für die österreichische Gesetzgebung geliefert.
Fotos
![]() |
![]() |
|
Rechtsanwalt Dr. Gerhard Wildmoser, Vizepräsident des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“, Dr. Stephan Komar, Generalsekretär des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“, Dkfm. Mag. (theol.) Gregor Ulrich Henckel-Donnersmarck, Altabt der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz, Raiffeisenlandesbank OÖ-Generaldirektor und Präsident des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“ Dr. Ludwig Scharinger |
Rechtsanwalt Dr. Gerhard Wildmoser, Vizepräsident des Kuratoriums „Sicherheit in Städten“, Mag. Martin Kreutner, MSc, Vorsitzender der Internationalen Antikorruptionsakademie und Antikorruptionsexperte des Europarats, Dr. Gottfried Strasser, Generalprokurator i.R. und Rechtsschutz-Beauftragter der Justiz, Dkfm. Mag. (theol.) Gregor Ulrich Henckel-Donnersmarck, Altabt der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz, Dr. Klaus Nemetz, Meinungsforscher und Konsulent der Spectra Marktforschungs GmbH, „Profil“-Wirtschaftsressortleiter Michael Nikbakhsh |
|
Download (jpg, 300 dpi) |
Download (jpg, 300 dpi) Foto: RLB OÖ / Strobl, honorarfrei |




